raum 101: der sucher (1997)

04Feb10

weil ich gestern geburtstag hatte, gab’s gestern nix, dafür beschenke ich mich heute selbst — und natürlich dich, werter leser. und zwar mit einer netzpremiere der semi-legendären Raum 101 aus bonn (nicht zu verwechseln mit jenen aus leipzig!) mit ihrem größten hit:

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von Raum 101: Die Anthologie – 1995-1999 (2005)

wer raum 101 nicht kennt, dem sei gesagt, dass das nicht weiter schlimm ist — raum 101 war nämlich meine eigene band! haha! wie schön ist es, einen blog zu haben, bei dem man gelangweilten lesern seine jugendsünden um die ohren hauen kann! hier nun unsere — für tausende kleine bands auf aller welt wohl überaus typische — geschichte.

Raum 101: Live im Konzert

Raum 101: Live im Konzert (v.l.n.r.: Mark, Franz, Wolfgang, Boris, Piotr)

Wolfgang

Wolfgang

Raum 101 war zwischen 1995 und 1999 hauptsächlich im bonner raum aktiv. sie bestand hauptsächlich aus gestörten studenten, mit ausnahme von Wolfgang am schlagzeug, einem gestörten krankenpfleger von der onkologiestation. die band begann mit Andrea als sängerin und straightem deutschpunk mit recht plakativen texten; irgendwann war ich dann bei einer probe dabei, andrea fehlte, und ich war betrunken genug, mich ans mikro zu stellen. das hat wohl anscheinend alle überzeugt, weiß der teufel wieso, an talent kann’s nicht gelegen haben. wahrscheinlich am alkohol.

wie auch immer, dadurch, dass ich sänger war, ergab sich auch die zuständigkeit für die texte, die von nun an irgendwie schräger, tiefsinniger und auch poetischer wurden (sprich, sie reimten sich). zumindest dachte ich das damals; heute erkenne ich, dass ich in meinen texten hauptsächlich meine eigenen psychosen auslebte — ’ne prima therapie, die ich jedem empfehlen kann. allerdings vertonten wir dank gitarrist und bandintellektuellen Mark auch texte deutscher dichter — der text dieses songs stammt beispielsweise von Kurt Tucholsky, ein anderer song war eine vertonung von Franz Kafka. (mark betreibt heute übrigens das unterhaltsame intellektuellen-blog oberschichtenfernsehen).

Mark

Mark

auch unsere musik veränderte sich allmählich, vor allem nach einer panischen hau-ruck-rauswurfaktion des ersten gitarristen Markus. Markus war ein ausgezeichneter punk-gitarrorist, wunderbar dreckig und gemein, aber es gab bandinterne spannungen bezüglich musikalischer neuausrichtung, und in einem hysterischen anfall wurde er dann ohne ansage aus der band geschmissen. na ja, das kennt wohl jede band. trotzdem nochmal sorry, Markus! zumindest wurden wir nach dem rauswurf deutlich „progressiver“ und metalliger, die songs wurden länger und abwechslungsreicher.

im juni 1997 waren wir dann im jmp-studio siegburg und nahmen innerhalb von einigen stunden sieben songs auf, die wir dann als tape Angst essen Leben auf auf den markt warfen (benannt nach dem fassbender-film). wieviel davon verkauft wurden, keine ahnung — viel war’s nicht, aber wenigstens müssen wir uns keinen ausverkauf vorwerfen! für den song „Schwarz-braune Masse“ wurde sogar ein lustiges video produziert, bei dem uns eine bodypainterin die gesichter anmalten und wir so durch die bonner fußgängerzone und einen keller stolperten. das video wurde irgendwann sogar beim offenen kanal dortmund o.ä. gesendet. medienmäßig waren wir also voll auf der höhe der zeit.

Boris

Boris

ebenso live: wir hatten mehrere auftritte in den schrottigsten locations, meistens zum selbstkostenpreis im bonner studentenwohnheim Sternenburg, aber auch in anderen wohnheimen, gemeinde- und jugendzentren der weiteren umgebung, bis hin nach ostwestfalen — oft mit Einleben als zugpferd, die mark von irgendwoher kannte. während die studentenwohnheimsaktionen meistens schöne kollektive besäufnisse unter freunden und anderen freaks darstellten, die allen beteiligten viel spaß machten und teils mit knochenbrüchen und revolutionären taten (brennende müllcontainer) endeten, waren die „kommerziellen“ konzerte meist traurige, einsame angelegenheiten — ich kann mich gut daran erinnern, wie wir einmal vor ganzen fünf zuschauern spielten: zwei mitgebrachte freundinnen; ein so’n komischer typ, der wohl immer da war; und außerdem noch die beiden vom jugendzentrum, einer hinter der bar, einer davor. (das schwarz-weiße schachbrettmuster der riesigen tanzfläche mit den paar verlorenen gestalten sucht mich noch heut in meinen albträumen heim.)

(nachtrag: hab gerade dank mark den hinweis erhalten, dass ein paar videos auf youtube zu bestaunen sind! hey! geilste lo-fi-scheiße aus deutschen studentenwohnheimen!)

Piotr

Piotr

hat trotzdem immer spaß gemacht, auch wenn ich mich an die konzerte selbst wenig erinnere… wenn unser set losging, gingen bei mir die lampen aus, und erst nach dem letzten akkord wieder an. die einen sagen, ich hätte mich halt tief in die musik versenkt; andere sagen, es könne an den drogen gelegen haben. wie auch immer, wir hatten auch zwei größere konzerte: einmal auf einem umsonst & draußen-festival im sauerland. da hat’s natürlich geregnet, und bei uns ist dann natürlich auch die elektrik ausgefallen — der klassiker! wir haben dann zur überbrückung unseren „indianer-song“ gespielt, zunächst nur mit schlagzeug und jembe, als dann der strom allmählich zurückkam mit „heya heya“ und gitarren. das war dann lustigerweise der einzige song, bei dem die leute getanzt haben… allet hippies! bei diesem konzert war auch Piotr (Ex-Highzung) schon bei uns, unser zweiter gitarrist, ein extrem talentierter und sympathischer junger pole, der mit biogemüse dealte.

Franz

Franz

unsere sternstunde kam dann aber 1997 oder 1998 auf dem „rock gegen rechts 2„-benefizfestival in einer aula in bergisch-gladbach. da hatten wir wohl 300 zuschauer und zum ersten und einzigen mal einen backstage-bereich — wodurch wie erstaunlich entspannt und relativ nüchtern einen unseren besten auftritte ever hatten. und — ich hatte die große ehre, die direkt nach uns spielenden halbgötter EA 80 anzusagen! (die ansonsten ihrem status entsprechend lässig bier tranken und uns läuse keines blickes würdigten.)

nach diesem konzert war aber die luft raus. die musik wurde immer metal-lastiger, die songs wurden immer länger und aufwändiger, die gitarristen hatten ihre gitarren einen ton tiefer gestimmt, so dass ich meinen gesang umstellen musste, und mir fielen auch keine vernünftigen texte mehr ein. (bzw. vernünftige texte sind mir ja nie eingefallen, aber mir fielen einfach auch keine unvernünftigen mehr ein!) außerdem hatte ich auch die schnauze voll von bonn, und 1999 zog ich dann zusammen mit der regierung (zufall, ick schwör’s) nach berlin. und das war das ende von raum 101. der offizielle abschiedsgig fand am 25. februar 2000 in der sternenburg statt. rest in peace!

mit neuem — und tatsächlich fähigem! — sänger wurde aus raum 101 dann erstmal Worst Case Scenario, dann In Vitro Veritas — alles namen, die leider im fluss der zeit untergegangen sind.

Raum 101: Die Anthologie - 1995-1999 (2005)

Raum 101: Die Anthologie - 1995-1999 (2005)

2005 hatte ich dann nochmal einen nostalgischen anfall, remasterte unser kleines album und digitalisierte diverse schrottige proberaum- und live-aufnahmen und brachte dann eine auswahl auf cd-r als Raum 101-Anthologie heraus, von der es zwei fassungen gab — eine für den allgemeingebrauch und eine mit bonus-cd nur für die band, mit so ziemlich allen songs, für die überhaupt irgendeine aufnahme erhalten war, und sei sie noch so grottig…

es war auf jeden fall eine tolle zeit mit raum 101! unsere bandgeschichte ist mehr oder weniger typisch für viele anderen bands, die außer ein paar gigs und selbstgemachten tapes/cd-rs nicht viel hingekriegt hat… ja, erfolg hatten wir zwar keinen, aber das war uns im endeffekt auch nicht wirklich wichtig. wir waren auf jeden fall underground pur!

ich werde sicherlich noch mit weiteren songs die bereits äußerst zweifelhafte qualität dieses blogges nach unten korrigeren.

ps. ach ja, und wir wurden immer wieder gefragt, woher wir denn den namen hätten. dazu sage ich nur: ungebildetes volk, lest „1984“ von george orwell!

This is a recording of my own band, Raum 101 from bonn. we were active between 1995 and 1999, and nobody much remembers us, despite our mainly self-organized concerts in student homes and youth centres… boo hoo! but we had a lot of fun. we started out as straight deutschpunk, but soon turned more and more metallic and experimental. in 1997, we released a 7-track tape called Angst essen Seele auf, the song is from it — i still like it’s driving power, and its lyrics (which are by german lyricist Kurt Tucholsky). we also had a great gig at a „rock against nazis“ festival, where we had the honor to play just before EA 80 — our finest moment. in 1999, i moved to berlin, and that was the end of the band — except a fan club-only Anthology released in 2005, with live and demo recordings. the name of the band, by the way, is from the personalized tortue chamber from george orwells 1984.



3 Responses to “raum 101: der sucher (1997)”

  1. 1 Mark

    intellektuellen-blog, soso. pffft!

  2. 2 Mark

    übrigens: http://www.youtube.com/user/bnlog

  3. geil, wusst ich gar nicht! danke!


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