joy division: no love lost (1977)

05Feb10

hier mal ein zu völligem unrecht ziemlich unbekannter song von den gothic-göttern und -pionieren Joy Division:

Joy Division: An Ideal for Living (EP, 1978)

Joy Division: An Ideal for Living (EP, 1978)

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von An Ideal for Living (EP, 1978)

was für ein genialer track! allein das lange intro — einfach göttlich! und dann diese unter die haut gehende gesprochene passage aus dem buch The House of Dolls, das die sogenannten „Freudenabteilungen“ beschreibt, nach denen sich joy division benannt hat. auch dadurch wird der song für mich zu dem einzig wahren joy division-song. (wer’s nicht weiß: als freudenabteilungen bezeichneten die nazis mit ihrem üblichen zynismus jene kz-inhaftierten frauen, die für wärter und auch gefangene zur sexuellen belohnung „gehalten“ wurden. jüdischen frauen blieb dies übrigens erspart.)

Joy Division: Substance (1988)

Joy Division: Substance (1988)

auf joy division bin ich persönlich übrigens — für JD-fetischisten langweiligerweise — über den Substance-sampler gekommen. und irgendwie fand ich darauf nur eine handvoll songs richtig gut. als ich dann später genauer nachschaute, bemerkte ich, dass sie alle von der ersten joy division-ep An Ideal for Living stammten, aufgenommen im dezember 1977, erschienen im juni 1978 und aufgrund seiner rarität ein begehrtes sammler- und bootleg-opfer. und was für eine geniales platte! vier songs genialster, dreckiger düsterpunk mit tiefgang, der unter die haut und in die beine geht. natürlich würde ich mich nicht erdreisten, das restliche werk von joy division als schlecht oder gar nur mittelmäßig zu bezeichnen — es ist einzigartig –, aber ihr meisterstück ist und bleibt für mich die erste ep. vielleicht hat das ian curtis so deprimiert, haha. herunterzuladen ist die platte auf dem bloodjunkies blog.

Film: Control (2007)

Film: Control (2007)

bandgeschichte spar ich mir heute, ihr seid erwachsen und könnt googeln und wikipedien. dafür einige worte zum film Control: die meisten regen sich ja darüber auf, dass der film sich zu wenig auf Ian Curtis konzentriert und nicht klar macht, warum er sich eigentlich umgebracht hat. gerade deshalb fand ich den film sehr gut! für mich ist die eigentliche hauptfigur nicht curtis ist, sondern seine frau Debbie. popstarverherrlichung ist ja gut und schön, aber es ist doch wesentlich interessanter zu sehen, wie jemand mit so einem wahnsinnigen typen klarzukommen versucht. mir haben auch die nachgestellten konzertaufnahmen gut gefallen — sam riley hat das sehr gut gemacht, auch wenn ich nur youtube-schnipsel zur beurteilung habe.

eine sache, die ich nicht verstehe, ist, warum „No Love Lost“ eine tolle szene im film hat, aber auf dem offiziellen soundtrack nicht vorkommt. ach, und apropos, dies ist die gelegenheit, darüber abzukotzen, dass auf allen allen scheiß-samplern immer nur „Love Will Tear Us Apart“ drauf ist. klar ist das ein feiner song, so schön romantisch und darum auch massenkompatibel. aber nerven tut’s mich doch gewaltig. als hätte joy division nur diesen einen guten song geschrieben. pffft.

K. Zetnik 135 633: "Freuden-Abteilung!" (1960)

K. Zetnik 135 633: "Freuden-Abteilung!" (1960)

und noch etwas über das buch „The House of Dolls„:  das buch erschien 1955, geschrieben vom ehemaligen kz-häftling Yehiel Feiner alias Yehiel De-Nur. als pseudonym wählte er die bezeichnug Ka-Tzetnik 135633, jiddisch für „kz-insasse 135633“ — 135633 war feiners häftlingsnummer. das buch erschien 1960 erstmals auf deutsch; der titel ist je nach auflage Höllenfahrt, Das Haus der Puppen oder Freuden-Abteilung, momentan ist es anscheinend ausverkauft — schade, denn ich würd’s gerne lesen.

laut diesem spiegel-artikel von januar 1981 weist das buch einige historische ungenauigkeiten auf, und sonst gibt es kaum quellen über das thema — historiker mögen sich darüber streiten, ich persönlich halte die existenz der sogenannten „freudenabteilungen“ für gesichert, ein folgerichtiger bestandteil der fiesen nazi-vernichtungs- und unterjochungs-maschinerie: zuckerbrot und peitsche. widerlich. (feiner sagte 1961 im eichmann-prozess aus, verlor bei seiner aussage allerdings das bewusstsein. ich denke, das schreiben seiner bücher wird ihm ähnlich zugesetzt haben, was ungenauigkeiten erklären dürfte.)

for me, this is THE Joy Division song. i absolutely love that long, noisy intro, and the spoken passage where Curtis quotes from „The House of Dolls“ — the book about the Nazi’s forced prostitute groups in concentration camps, cynically called Joy Division. i got to know the song from the Substance comp — as i later found out, all the songs that i loved from that comp come from the first EP, which is one of the greatest records ever made. four songs dirty, gloomy, intense punk/post-punk — perfect!  of course, Joy Division made many more well-known songs (especially the bloody „Love Will Tear Us Apart“ that’s included on each and any mainstream 80s comp, urgh), but for me, the first EP is their masterwork.



3 Responses to “joy division: no love lost (1977)”

  1. 1 The hunne

    These Feine Guy alias Yehiel de nur is a liar, he is a jew like out of the nazibooks, his lost of conciosness was a show.

    • Ha ha ha! Very funny, thank you for your insightful comment, hunenzonk!

      Unfortunately, your own personal „lost of conciosness“ seems to be very real and no show at all.

  2. Es gibt schon noch einige andere Quellen, einige davon habe ich 2005 in diesem Thread zusammen getragen, eine weitere wurde mir von einer Kommentatorin genannt.

    Jorge Semprun hat in seinem Buch „Was für ein schöner Sonntag“ die Frauen im Lagerbordell in Buchenwald verunglimpft – als seien die Frauen dort freiwillig gewesen. Er nannte sogar Namen. Eugen Kogon – auch er einst Häftling in Buchenwald – berichtete in seinem Buch „Der SS-Staat“ ebenfalls vom Lagerbordell und nannte den Preis: zwei Reichsmark kostete ein Besuch. Vor einigen Jahren hörte ich das Hörfunkfeature „Frontbordelle. Die Nazis und die Prostitution“ von Tita Gaehme, in dem eine der überlebenden Frauen zu Wort kam, mit denen Christa Paul und Reinhild Kassing in den 1980ern gesprochen hatten. Im Werkstätten und Kulturhaus (WUK) in Wien gab es 2005 die Ausstellung „Sex – Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern“ zu sehen. Im selben Jahr lief auf 3sat die Dokumentation „Die verfluchten Stunden am Abend“. Die Besprechung von Thomas Gehringer im „Tagesspiegel“ ist noch online zu finden: Die SS als Zuhälter.


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