ein lied für horst von den dicken bällen

07Jun10
Big Balls and the Great White Idiot: Foolish Guys (1978)

Big Balls and the Great White Idiot: Foolish Guys (1978)

wahrlich, faul war ich in letzter zeit… es liegt nicht etwa daran, dass mein archiv an mutantenmelodien sich allmählich dem ende zuneigt, sondern tatsächlich an einfacher faulheit und allgemeiner demotivation.

dasselbe problem hatte wohl auch horst köhler, der sich jetzt mit einem letzten lustigen beleidigte leberwurstauftritt von der politischen bühne verabschiedet hat. sein lustiges, schalkhaftes grinsen werde ich vermissen, sonst aber wenig. (obwohl ich sein statement, dass deutschland durchaus kriege zur sicherung wirtschaftlicher interessen führen darf, ganz prima finde: endlich sagt mal einer, was sache ist. klar, dass er dann abtreten muss.)

dennoch möchte ich ihm ein vergessenes highlight der frühen deutschen punkgeschichte widmen, nämlich folgenden, da ich beim hören gerade unwillkürlich an horstis abgang denken musste:

Big Balls and the Great White Idiot: „Gonna Leave“ (2:43)

die Balls, 1975 in hamburg von den gebrüdern grund gegründet, waren ja eine der ersten deutschen bands, die schon 1977 eine sogenannte „punk“-lp veröffentlichten, dies aber auf einem majorlabel und somit nicht wirklich kredibel. man hört der platte an, dass sie sich stark am britischen punk orientiert; dennoch hat ihr erstling ein paar sehr nette songs zu bieten, mein liebling ist hier natürlich das kranke „Kick Her in the Dirt“.

verglichen mit den Straßenjungs, die ebenfalls als deutschpunk-pioniere gelten, aber im wesentlichen eine unsäglich deutschrock-retorte zweier popproduzenten ist, haben die Balls aber wenigstens eine gewisse eigenständigkeit.

Horst Köhler, grinsend

Horst Köhler, grinsend

der hier vorgestellte song „Gonna Leave“ ist mein persönlicher liebling von dem zweiten Balls-album Foolish Guys — eine herrlich pseudo-jugendliche „ich geh ganz weit weg und werd’s euch allen zeigen“-hymne, mit einigen netten ideen und einem feinen gesang. das gesamte album ist insgesamt weniger punkig, und auch die beiden folgenden, auf dem eigenen label Balls Records herausgebrachten platten sind im wesentlichen grundsolider rock mit einer kleinen prise punk. das die alben in irgendeiner weise „experimentell“ wären, wie man an verschiedenen stellen im netz lesen kann, kann ich nicht bestätigen — aber alle alben sind durchaus hörenswert, wenn auch keines wirklich gut ist.

die balls sind übrigens angeblich noch heute aktiv — zumindest bis vor ein paar jahren, so haben sie zwei platten mit Jan Fedder herausgebracht (genau — der vom Großstadtrevier), auf denen es hamburger seemannsromantik zu hören gibt. nein, angehört habe ich sie mir nicht.



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