Fete de la musique: Schluss mit lustig

22Jun13

Die Fete de la musique ist für mich jedes Jahr eines der wenigen Großereignisse, auf das ich mich wirklich freue. Es war einfach immer herrlich, bei schönem Wetter durch die Straßen zu spazieren und zusammen mit anderen Mutanten an jeder Ecke verrückten Musikanten lauschen zu können, ganz ohne Kommerz und schreckliche Menschenmassen. Aber das hat sich jetzt wohl geändert, dank Berliner Senat und Ordnungsamt.

Als ich mich heute gegen 18:00 auf den Weg machte, war es seltsam still. Vor dem Plattenladen, wo in den letzten Jahren immer komische Punk- und Hardrock-Bands auf einem Robben & Wientjes auftraten, standen zwar besagter Mietwagen und ein Haufen Leute, aber die Band trug gerade ihre Instrumente von der Bühne. Als ich nachfragte, erfuhr ich, dass man neuerdings nur gegen Zahlung von 500 € mit Verstärker draußen spielen kann, sonst kommt die Polizei und sagt „ja was ist denn das, her mit Verstärker und Elektro-Bass“. Aha. Hää???

WAS IST DAS DENN FÜR EINE BEKNACKTE SCHEISSE?

Einmal im Jahr hat man die Gelegenheit, sich als Musiker zu präsentieren, und als Normalsterblicher einfach nur entspannt der Stadt beim Musizieren zuzuhören, und das völlig unkommerziell und locker und spaßig. Wieso muss die Stadt Berlin uns diesen Spaß verderben? Wen stört’s!? Um 22:00 packen eh alle ihre Instrumente ein, und dann kann man wieder die Autos übers Kopfsteinpflaster brettern hören und die Leute vor den Cocktailbars grölen, was kaum leiser ist als ein billiger Verstärker.

Tatsächlich habe ich dann ein paar Straßen weiter doch noch zwei lustige Musikanten getroffen, die es wagten, mit Bass und Gitarre und absoluten Mini-Verstärkern Rock-Hits zum besten geben. Nach einer Stunde kam die Polizei, und dann war Schluss mit lustig, denn Musiker hängen für gewöhnlich an ihren Instrumenten.

Berlin gibt sich ja gerne als „cool“, „ausgeflippt“ und „weltoffen“ aus. Und bis vor ein paar Jahren war diese Stadt das auch, und sie ist es natürlich immer noch — aber Berlin ist mit Volldampf auf dem Weg, eine weitere Klonmetropole zu werden, in der Spießer und angepasste Vollidioten das Sagen haben und spontane Kreativität nicht geduldet wird.

Okay — die Regelung erlaubt natürlich, dass man zu Fete de la musique noch Geige und Kontrabass und Klavier und sogar Schlagzeug spielen darf — aber wieso nicht E-Gitarre, Keyboard oder E-Bass? Der einzige Grund, der mir einfällt, ist, dass Berlin versucht, da einfach mal ein paar schnelle Euros zu machen.

Und das ist meiner Meinung nach ein Scheißgrund.

PS. „Fete de la musique“ ist Französisch und heißt „Fest der Musik“. Musik, versteht ihr. Es heißt nicht „Fete de la Ordnungsamt“ oder „Fete de la bescheuerte Bürokratenkacke“, und auch nicht „Fete de la musique acoustique“, sondern einfach nur „Fete de la musique“.



2 Responses to “Fete de la musique: Schluss mit lustig”

  1. 1 Claud

    Genauso habe ich es auch erlebt: In der Falckensteinstraße wurde das Konzert unterbrochen, in der Wiener gab`s nur noch zu essen aber keine Musik mehr. Wir konnten es kaum glauben, dass wirklich das Ordnungsamt unterwegs ist und alles verbietet. Schrecklich diese Reglementierung!!! Welcher Spielverderber steckt dahinter? Ist das jetzt der CDU-Teil unseres Senats?

  2. 2 Hx

    Tja, da habt ihr in B die gleichen Probleme wie wir in HH, mit dem Unterschied, das wir euch schon ein paar jahre vorraus haben. Ob Bullerei oder OAmt, bei DIY Festivals immer und nicht gern gesehenenGäste. Hier zu laut, da zu schmuddelig, dort zu unangepasst im „Tor zur Welt“.
    B war auch in meinen Augen immer noch ne Zuflucht um alternativ ne Party zu feiern, aaaaber willkommen in der neuen Welt.
    Leisetreter das isses was se haben wollen. Und laut darfst du In HH nur sein, wenn du ne Harley fährst (Harleydays) schlechten Schlager hörst, Blumenkettenträgst und die Wände anpisst (Schlagermove)oder Geld auf dem Hafengeburtstag ausgibtst , zum Weltastratag rennst oder oder oder inkl. CSD. Nix mehr mit bunt oder so wenn es nicht von oben organisiert ist.
    Brave New World….., pssstpssst bloss nicht zu laut.

    LAUTEN GRUSS


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