wien-berlin: nachtzug, flieger, cadillac

29Sep13

nein, verehrte/r leser/in, keine angst. mutantenmelodien ist jetzt nicht plötzlich zu einem dieser komischen werbeblogs mutiert. ich habe nur kürzlich auf dem lang nicht mehr besuchten blog WildDevilRules einige nette platten gefunden, die mir den vorwand liefern, dich, verehrter leser, wieder mal mit einer der beliebten multimelodien zu beglücken!

thema heute: der innerdeutsche musikalische verkehr zwischen den beiden großdeutschen reichshauptstädten im frühen deutschsprachigen punk und new wave.

Blümchen Blau: Wie die Tiere (1982)

Blümchen Blau: Wie die Tiere (1982)

alles begann damit, dass mein guter freund und zwiefach erfolgreicher spanierinnenstecher conny „mastermixer“ f. — dank an dieser stelle — mich auf folgendes lustige wiener liederl hinwies:

Blümchen Blau: „Berlin bei Babylon“ (3:40)

die textzeile

Das Schönste jetzt in Wien
ist der Schnellzug nach Berlin

dürfte bei der traditionellen rivalität zwischen den beiden großdeutschen reichshauptstädten (siehe dazu die lustigen kommentare zum entsprechenden post auf amhochsitz.at) für provinzielle verstimmung gesorgt haben. zu finden ist der song auf Blümchen Blaus einzigem album Wie die Tiere, das ich mit seiner mischung aus ndw-pop, party-ska und eckigem post-punk sehr empfehlen kann.

Blümchen Blau hatte es anscheinend mit verkehrsmitteln; der größte hit der band war der song „Flieger“, und dahinter verbirgt sich eine interessante version von Hans Albers‘ schlagerhit aus der Ufa-sci-fi-schomnzette F.P.1 antwortet nicht von 1932. wie jeder weiß, der in den letzten 30 jahren in deutschland auf irgendeiner party war, hatten Extrabreit dieselbe idee ein bisschen früher (und etwas weniger hübsch umgesetzt), so dass fliegerromantik anfang der 80er in ndw- wie auch nöw-form die runde machten. hier das schön nazimäßige original und die BB-version (die von Extrabreit nicht, bin anwaltophob und hat man eh schon viel zu oft gehört):

Hans Albers: „Flieger, grüß mir die Sonne“ (3:07)

Blümchen Blau: „Flieger“ (3:06)

wär doch herrlich, wenn’s aus der zeit noch eine lustige „Flieger“-version aus ostdeutschland gäbe…

Cadillac: Cold Love / Craptown Part I (1979)

Cadillac: Cold Love / Craptown Part I (1979)

in dem zusammenhang dieser multimelodie darf natürlich auch Bobby Sommer nicht fehlen, eingeweihten bekannt als sänger der österreichischen Mordbuben AG wie auch als saxofonist der westberliner wave-beatband Tempo, bei der auch radioeins-musikchef Peter Radszuhn mitwirkte und die anscheinend 1979 die erste berliner „punk“-single herausgebracht zu haben. Weird System hat zu dieser Band eines der überflüssigsten boxed sets der letzten jahre herausgebracht.

Bobby nahm 1976/77 in wiener kellern ein paar songs auf, siedelte dann 1978 (mit dem schnellzug?) nach berlin über, wo dann der exil-clubchef Oswald Wiener (nomen est omen?) zwei der aufnahmen ebenfalls 1979 unter dem bandnamen Cadillac als single herausbrachte — ob vor oder nach Tempo, weiß ich nicht. lange habe ich nach diesem geradezu mythischen stück wien-berliner musikgeschichte gesucht, dank WildDevilMan habe ich es endlich gefunden — und die single ist im gegensatz zu meinen erwartungen („wird wohl eher irgendsoein schlapper hobbypunk gewesen sein“) ziemlich genial:

Cadillac: „Cold Love“ (2:50)

allerbester, furztrockener und schön tighter proto-/garagenpunk — vor allem der groovige midtempo-part ist einfach herrlich, und schlägt Tempos braven schülerbeat um längen.

DÖF: Tauchen-Prokopetz (1983)

DÖF: Tauchen-Prokopetz (1983)

nicht fehlen darf in diesem post auch das Deutsch-Österreichischen Feingefühl, bekannt für den ndw-hit „Codo“; ihr Arafat-song gehört zu den beliebtesten posts auf mutantenmelodien. DÖF war ein bandprojekt der wiener kabarettisten Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz zusammen mit den berliner Humpe-sisters. auf ihrem einzigen album (zwei weitere unter dem namen stammen von herrn Tauchen allein) thematisieren explizit sie auf folgendem song das österreichisch-deutsche verhältnis.

DÖF: „Deutsches Mädel (für Katherina)“ (2:54)

ist zwar möglicherwiese nicht ihr bester song — einen besseren closer kann ich mir aber nicht vorstellen.

ich sag servus — ich sag tschühüss!



5 Responses to “wien-berlin: nachtzug, flieger, cadillac”

  1. 1 Gast

    try

    • what?

  2. 3 Steff

    Hallo,
    wie ich an meinem „try“ sehe, moderierst du die Kommentare.
    Ich habe eine Frage zu deinem „alten“ blog:

    Unter
    http://vielleicht-bin-ich-ein-pank.blogspot.de/2010/01/va-so-36.html
    postest du das Plakat der „Zwei schräge deutsche Nächte“ Eröffnungsveranstaltung.
    Gibt es da ein Copyright (von dir) drauf? Darf ich das in den Wikipedia-Artikel über das SO36 übernehmen?

    Antwort gerne an die angegebene eMail-Adresse.

    Sorry wegen der ungewöhnlichen Art der Kontaktaufnahme, ich habe keine „Kontakt“ oder „Impressum“ Seiten gefunden.

    Gruß
    Steff

    • Nein, ich habe kein Copyright darauf und keine Ahnung, wer das haben könnte. Das Bild stammt aus dem Buch „Keine Zukunft war gestern“, 1. Auflage (S. 29), herausgegeben von der IG Dreck auf Papier, (C) 2008 Archiv der Jugendkulturen KG, Berlin — das Archiv ist sicher die beste Anlaufstation:

      http://www.jugendkulturen-verlag.de/

      Ich hoffe, die netten Leute da können dir weiterhelfen! Aber würde mich wundern, wenn heute noch jemand weiß, wer das gestaltet hat :)

      • 5 Steff

        Thx, sehr nett von dir :-)


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