deutscher post-hardcore aus dem jahre 1982

23Nov13
White Russia: Language and Noise (Good Noise, 1982)

White Russia: Language and Noise (Good Noise, 1982)

ich habe ja vor einigen jahren bereits was von den PVC-nachfolgern White Russia gepostet, aber irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, White Russia wären im wesentlichen PVC in noch wave-rockiger. ihr major-debüt zeigte mir zwar, dass es schon eher in richtung post-punk geht, aber so ganz überzeugen konnte es mich nicht. dann habe ich mir aber doch mal den nachfolger Language and Noise, 1982 auf dem immer wieder erstaunlichen Good Noise-label erschienen, zu gemüte geführt — und was die jungs da machen, das hat mich doch ziemlich umgehauen.

White Russia: „The Mask“ (1:42)

meine ständige assoziation bei diesem album ist Fugazi. richtig, die amerikanische alt/indie/post-hardcore-band, die ende der 1980er mit ihrer innovativen mischung aus hardcore und alternative furore machten. nun, White Russia machten genau dasselbe — dissonanten, hektischen, schrägen, aggressiven, noisigen post-punk mit vielen wechseln und geschrei –, nur halt schon jahre vorher! zum höhepunkt der neuen deutschen major-welle war ein deutsches album mit englischen texten natürlich zum flop verurteilt.

da über White Russia so gut wie gar nichts im internet zu finden ist, im folgenden eine kleine band-biographie, die auch auf einem sehr netten persönlichen gespräch mit Gerrit Meijer basieren.

White Russia gründete sich im september 1979, als die ehemaligen PVC-mitglieder Gerrit Meijer, Trevor Watkins und Uli Kukulies aus frust mit der immer noch ausstehenden ersten platte aus PVC ausstiegen und mit Piers Headley (vorher bei Pink Wave, eine berliner travestie-/kabarett-/disco-coverband, bei der auch Annette Humpe erste musikalische gehversuche machte) eine neue band gründeten. Kukulies wurde schon bald durch Uwe Hoffmann ersetzt, der vorher bei den Evil Kids und den Ffurs trommelte. am 23. dezember 1979 gab die band ihr live-debüt beim The Night Before-festival im Quartier Latin, zusammen mit Tempo und DIN A Testbild.

anfangs bestand eine natürliche rivalität zur alten band — White Russia sollte schneller und härter sein als PVC. Meijer merkte jedoch bald, dass dies mit einem einzigen gitarristen nur schwer möglich ist, und die band begann allmählich, ihre stücke langsamer und „psycho-mäßiger“ (O-Ton Meijer) umzuarrangieren. illegale demo-aufnahmen im Hansa-Studio verhalfen der band bald zu einem plattenvertrag mit Aladin. die produktion des neuen albums begann im juli 1980 und zog sich bis april 1981 hin, da einerseits in einem ministudio produziert wird, andererseits die band letztlich gar nicht mehr hinter diesen stücken im alten stil stand.

am 15. mai 1981 spielten White Russia zusammen mit Ideal, Spliff und Interzone auf der 1. SFB-Rocknacht vor 25.000 zuschauern auf der Waldbühne; das konzert wurde bundesweit auch im radio und fernsehen übertragen. allerdings reagierten die zuschauer auf White Russia eher mit wohlwollendem desinteresse — die englischen texte verzieh man ihnen aufgrund des englischen sängers, doch mit der musik konnte wohl kaum jemand wirklich etwas anfangen, da Ideal der publikumsmagnet war.

anfang 1982 verhandelte White Russia mit RCA, die inzwischen PVC unter vertrag genommen hatten und ein zweites berliner eisen im ndw-feuer haben wollten. die band schickte dem label ein demo mit 17 stücken im neuen und zwei im alten stil; da RCA zielsicher eben diese old school-stücke auswählte, lehnte die band den vertrag ab. auch eine vom Zensor angedachte doppel-10″ auf seinem label kam nicht zustande: sänger watkins lehnte doppelalben kategorisch ab. so erschienen einige der tracks schließlich als album auf Good Noise.

obwohl die genügend material für ein weiteres (mini-)album hatte, kam es leider nicht mehr zu weiteren veröffentlichungen, da sie sich im dezember 1982 aus musikalischen gründen auflöste. ein jahr später wurden noch weitere tracks im kurz zuvor von Hoffmann gegründeten Preußenton-Studio aufgenommen, wobei die bandmitglieder ihre tracks völlig getrennt voneinander aufnahmen, die aber ebenfalls bis heute nicht veröffentlicht wurden.

einige der illegalen Hansa Studio-aufnahmen erschienen 2011 auf der fetten Vinyl on Demand-box German Punk & Wave 1978-1984, Vol. 1, die auch einige weitere schätze obskurer deutscher musik hebt.

schließlich möchte ich noch das komplette album zum download anbieten, da die bandbreite und genialität der band aus nur einem song nicht wirklich hervorgeht — zwar nur in 128 kbps, aber zum reinhören reicht’s. wer mehr will, sollte Meijer kontaktieren, der verkauft euch gerne ein CD-r :)

White Russia: Language and Noise (1982) [38 mb]



6 Responses to “deutscher post-hardcore aus dem jahre 1982”

  1. die erste ist meiner Meinung nach besser, punkiger und rotziger, falls du magst poste ich die mal….

  2. Na das war ja ma wieder klar — ich sach nur Straßenjungs, hähähä :) Ich würde dich nicht aufhalten, aber die Radierer hätten für mich höhere Priorität, da ich die erste White Russia schon kenne…

    • Radierer ist mittlerweile wieder oben…..
      Aloha!

  3. 4 flow

    leider kann man den hoster nicht erreichen resp. von dort nix laden.
    vllt. repost? hoffe …

    • Hmm, kann ich nicht nachvollziehen. Bei mir funktioniert alles prima. Das einzige, was ich mir vorstellen kann, ist dass bei zu kleinem Bildschirm ist das blöde Popup-Fenster nicht mehr wegklickbar ist.

  4. 6 flow

    inzwischen mit erfolg, warn womöglich nur für diesen tag hoster probs …
    und danke, toller post!


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