untotgesagte leben länger

20Jul20
Alan Kan (1976) Heureusement en France

Alain Kan: Heureusement en France on ne se drogue pas (1976)

A.D. 2014 habe ich ja diesen blog für „offiziell untot“ erklärt. aber sagte H.P. Lovecraft so schön: „that is not dead which can eternal lie; and which strange eons, death may die“. und nimmt der schrottvogel, frisch aus dem irrenhaus entlassen, folgenden song zum anlass, die wunderbaren mutantenmelodien wieder ins leben zu rufen:

Alain Kan: „Dracula“ (6:28)

(ich kriege es nicht mehr hin, einen MP3-spieler hier einzufügen, darum gibt’s vorerst nur den download-link.)

ein wunderbarer song eines der urväter des französischen punk — wie könnte ich einen song nicht lieben, in dem Dr. Caligari, Frankenstein und seine braut, Dr. Moreau, Nosferatu, Judex, Peter Kürten, Dr. Jekyll und Mr. Hyde erwähnt werden, und der damit endet, dass der sänger einer kreischenden jungen dame seine fangzähne in den hals schlägt?

Alain Kan war einer der väter der französischen punk-szene. geboren 1944 in Paris, begann seine musikkarriere 1963/64 als ziemlich generischer chanson-sänger. nach einigen jahren pause (militärdienst) wird er wieder aktiv und beginnt, eigene lieder zu schreiben, meist im kabarettstil. sein titel „Mon p’tit photographe“ (1969) für die sängerin Dani wird aufgrund der folgenden textzeilen zensiert:

Il m’prend dans toutes les positions
A g’noux, debout, assis par terre
De la photo il est champion
Il me prend des journées entières
Er nimmt mich in allen Stellungen
Auf Knien, stehend, auf dem Boden sitzend
Er ist der Meister der Fotographie
Er nimmt mich ganze Tage lang

1970 erscheint eine single unter dem pseudonym Amédée.Jr, 1971-74 weitere singles, deren texte sich oft auf seine homosexualität beziehen. die singles und seine konzerte sind recht erfolgreich. Kan lernt in dieser zeit David Bowie kennen. eine erste LP als Alan Kan erscheint 1975.

der song stamt von der zweiten LP Heureusement en France on ne se drogue pas (übersetzt Glücklicherweise nimmt man in Frankreich keine Drogen), die aufgrund ihrer texte über sex, drogen, einsamkeit, dysfunktionale familien und wahnsinn in frankreich radioverbot erhält. geschrieben wurden die songs von Magma-bassist Laurent Thibault. diese LP ist auch musikalisch absolut hörenswert mit ihrer wilden stilmischung (glam, folk, psych, experimentelles, avantgarde) und den großartigen texten.

1977 gründete er die einflussreiche punkband Gazoline, deren erste (zweite?) single „Killer Man“ mit ihrem doomigen aggro-sound es recht auf die erste Killed by Death schaffte. eine zweite (erste?) single verlor sich in vermutlich drogeninduziertem experimentalismus.

1979 erscheint ein weiteres album von Alan Kan, das ebenfalls verboten wird, da Kan in einem song ausschnitte aus Hitler-reden verwendet.

in den 80ern scheint Kan nur noch gelegentlich aktiv gewesen zu sein. am 14. april 1990 verschwand er bei hellichtem tage inmitten von paris. er oder sein körper wurden nie mehr gesehen, und 2000 wurde er als tot erklärt.



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